Im fünften Jahrhundert soll der historische König
Artus über Britannien geherrscht haben. Wenn wir an Artus und seine
tafelrunde denken, dann sehen wir prächtige, glänzende Rüstungen,
höfische Feste und spektakuläre Turniere vor unserem geistigen Auge.
Geschichtliche Quellen belegen aber, dass man im frühen Mittelalter noch
Felle trug. Der berühmte „Prinz Eisenherz“-Schöpfer Hal Foster war sich
dieses Widerspruchs immer bewusst: „Wenn ich König Artus so gezeichnet
hätte, wie meine Recherche ihn gezeigt hat, hätte mir niemand geglaubt
...“ Unser Bild vom Mittelalter speist sich nun mal nur zum geringen
Teil aus historischen Forschungen, das Groß machen Legenden, Sagen,
Erzählungen und ihre modernen Ahnen, die populären Medien wie Film und
Comics aus. Während uns die Geschichte nur die trockenen Fakten an die
Hand gibt, hauchen Filme, Romane und Comics dieser diffusen und
widersprüchlichen Epoche Leben ein und lassen uns genug Freiraum für
unsere Fantasie.
So
wie verschieden wie die Jahrhunderte, die dieser Zeitabschnitt umfasst,
sind auch die Mittelalter-Comics aus der Cross-Cult-Produktpalette. Die
Werkausgabe der berühmten Comic-Reihe „Roland, Ritter Ungestüm“ von
Francois Craenhals vereint die Fabulierkunst der großen Rittersagen mit
der erzählerischen Raffinesse der frankolbelischen „Bande dessinée“. Die
Abenteuer des Knappen, der zum gefürchteten und gefeierten Ritter und
Adelsmann aufsteigt, sind in einem allumfassenden und ahistorischen
Mittelalter angesiedelt. „Thomas der Trommler“ von der deutschen
Autorenlegende Peter Wiechmann wiederum siedelt seine Erzählungen vor
einem historischen Hintergrund an: dem 30jährigen Krieg in Deutschland.
Ganz im Land der Sagen und Fabel ist die Reihe „Dietrich von Bern“
verhaftet. Comic-Autor Wiechmann liefert eine fesselnde und grafisch
aufwändig inszenierte Umsetzung des berühmten deutschen Heldenlieds aus
dem 6. Jahrhundert ab.
Ob
Fantasie oder Geschichte, Cross-Cult-Comics füllen die schwarzen
Flecken eines dunklen Zeitalters mit Farbe und Figuren. Der ideale
Lesestoff für das wiedererwachte Interesse am Mittelalter. Also nach dem
Schlendern über den nächsten Mittelaltermarkt am besten einen passenden
Comic zur Hand nehmen und eintauchen in die Welt, wie unsere Vorfahren
sie erlebt haben: roher, direkter, emotionaler und oftmals
unbarmherziger und weit aus härter als unser oft all zu bequemes und
leichtes Leben heute.
















